TRAUMA VERSTEHEN
Vielleicht spürst du immer wieder Angst, Unsicherheit oder sogar Panik, und kannst es nicht richtig einordnen. Und irgendwann kommt die Frage: Bin ich traumatisiert?
Diesen Satz höre ich sehr oft in meiner Arbeit. Und genau hier fängt das Missverständnis oft schon an.
Viele denken bei Trauma sofort an etwas Lebensbedrohliches und sichtbar Dramatisches: Krieg, Flucht, schwere Unfälle, Gewalt. Und ja, Trauma und Lebensbedrohung hängen zusammen.
Entscheidend ist aber die empfundene Lebensbedrohung. Nicht nur das objektiv Gefährliche zählt, sondern das, was dein System als bedrohlich wahrgenommen hat. Und oft haben wir genau das vergessen oder beschwichtigt.
Ein erschütterndes Erlebnis, das dein Nervensystem überfordert hat. Etwas, das dich überrollt hat, ohne dass du es gut verarbeiten konntest. Das kann sehr unterschiedlich aussehen:
Manchmal merken wir erst Jahrzehnte später, wie stark diese alten Erlebnisse heute noch wirken, zum Beispiel durch Panik, Selbstzweifel oder chronische Anspannung.
Gerade in der Kindheit können Traumata entstehen, ohne dass wir sie später als solche erkennen. Es braucht dafür nicht immer das ganz große Drama:
Kinder übernehmen oft die Verantwortung für das, was passiert. Nicht bewusst als Gedanke, aber als Gefühl, das sich tief einprägt. Und auch wenn wir uns als Erwachsene nicht mehr bewusst erinnern: Der Körper erinnert sich.
Früher hat man Eltern geraten: „Lass das Kind schreien, es lernt schon, zu schlafen." Aber was Babys dabei wirklich lernen, ist: Ich bin allein. Ich werde nicht gehört. Ich bin ausgeliefert.
Diese Erfahrung kann sich wie Todesangst anfühlen. Ein Baby allein, ohne Bindungsperson, hätte in unserer evolutionären Geschichte nicht überlebt. Diese tief verankerte Angst ist noch heute in uns gespeichert.
Wir sind erwachsen, funktionieren, machen Karriere, ziehen Kinder groß. Dann kommt Stress, im Job, in der Partnerschaft, durch äußere Umstände. Und plötzlich reagiert das Nervensystem, als wären wir wieder in der alten Gefahr: Angst, Panik, Daueranspannung.
Oft erklären wir uns das mit „Das ist halt Stress." Manchmal steckt mehr dahinter, denn Trauma zeigt sich nicht nur emotional, sondern auch im Körper:
Und manchmal einfach nur ein inneres Gefühl: Ich bin nicht sicher. Ich bin nie wirklich ganz da. Ich verliere die Kontrolle.
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