TRIGGER VERSTEHEN
Die Arbeit türmte sich immer mehr auf, ich war völlig erschöpft. Einfach liegen lassen? Keine Option.
Dann kommt um 17.30 Uhr eine Kollegin rein: „Komm, wir gehen jetzt nach Hause, das reicht für heute."
Ich hätte sie fast erwürgt. Es brach einfach aus mir raus: „Nur weil du es dir leisten kannst, so früh zu gehen. Ich bin kein stinkfauler 0815-Angestellter, dem alles egal ist."
Den Rest habe ich zum Glück runtergeschluckt.
Wo kam das denn her? Die Kollegin meinte es doch gut mit mir. Trotzdem war ich stundenlang auf 1000. Voller Wut, ohne sie abstellen zu können. So kannte ich mich gar nicht.
Heute weiß ich, was da passiert ist: Die Kollegin hat, zusammen mit der vielen Arbeit, eine ganz alte Wunde angetriggert.
Ein Trigger erinnert dein Nervensystem an eine alte, unverarbeitete Erfahrung und ruft die damaligen Gefühle wieder wach. Auslöser können ganz unterschiedlich sein:
Damals, oft in der Kindheit, warst du vielleicht hilflos oder überfordert und konntest weder fliehen noch dich wehren. Dein Körper hat das in vielen kleinen Fragmenten gespeichert. Taucht heute ein ähnlicher Reiz auf, reagiert dein Körper, als würdest du das Alte gerade wieder erleben.
Dein Verstand weiß, dass die Kollegin nichts Böses wollte. Aber dein Körper erinnert sich. In diesem Moment schaltet dein Nervensystem in einen alten Überlebensmodus: Kampf, Flucht oder Erstarrung. Es unterscheidet nicht zwischen damals und jetzt, es will dich einfach schützen.
Darum fühlst du dich plötzlich wie ferngesteuert, angespannt oder zittrig, emotional überflutet, und danach oft leer oder erschöpft.
Das ist keine Überempfindlichkeit. Das ist eine erlernte Stressreaktion, dein Körper versucht, dich vor etwas zu schützen, das einmal zu viel war.
Bist du innerlich in der Tagesschau, lebst du im Hier und Jetzt. Du nimmst wahr, was gerade passiert, und reagierst passend dazu.
Fühlst du dich plötzlich wie damals, klein, machtlos oder wütend, bist du im Heimatfilm. Das Alte schiebt sich in die Gegenwart.
Zwei Fragen helfen dir, das zu erkennen:
Mit meinem kostenlosen Nervensystem-Check findest du heraus, ob alte Erfahrungen oder unverarbeiteter Stress hinter deinen starken Reaktionen stecken könnten.
Zum kostenlosen Nervensystem-CheckStarke Reize nutzen
Pfefferminzöl, etwas Scharfes oder Saures, kaltes Wasser. Solche Reize holen dich körperlich zurück ins Hier und Jetzt. Leg dir deinen Notanker vorher bereit.
Im Hier und Jetzt ankommen
Die 5-4-3-2-1-Methode: Benenne 5 Dinge, die du siehst, 5, die du hörst, 5, die du spürst. Dann mit 4, 3, 2, 1 wiederholen.
Dein Nervensystem regelmäßig regulieren
Atemübungen, Bewegung oder bewusste Pausen helfen dir, in Trigger-Momenten stabiler zu bleiben.
Achtsamkeit im Alltag
Die Sonne auf der Haut spüren, bewusst den Kaffee trinken. Kleine Momente verankern dich in der Gegenwart.
Zu erkennen, wann du getriggert bist, verändert schon viel. Manchmal braucht es dafür aber Unterstützung, weil die alten Geschichten zu schmerzhaft sind, um sie allein anzuschauen. Das ist völlig in Ordnung.
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