TRIGGER VERSTEHEN

Warum wir manchmal überreagieren – was Trigger mit alten Erfahrungen zu tun haben

Die Arbeit türmte sich immer mehr auf, ich war völlig erschöpft. Einfach liegen lassen? Keine Option.

Dann kommt um 17.30 Uhr eine Kollegin rein: „Komm, wir gehen jetzt nach Hause, das reicht für heute."

Ich hätte sie fast erwürgt. Es brach einfach aus mir raus: „Nur weil du es dir leisten kannst, so früh zu gehen. Ich bin kein stinkfauler 0815-Angestellter, dem alles egal ist."

Den Rest habe ich zum Glück runtergeschluckt.

Wo kam das denn her? Die Kollegin meinte es doch gut mit mir. Trotzdem war ich stundenlang auf 1000. Voller Wut, ohne sie abstellen zu können. So kannte ich mich gar nicht.

Heute weiß ich, was da passiert ist: Die Kollegin hat, zusammen mit der vielen Arbeit, eine ganz alte Wunde angetriggert.

Was ist ein Trigger eigentlich?

Ein Trigger erinnert dein Nervensystem an eine alte, unverarbeitete Erfahrung und ruft die damaligen Gefühle wieder wach. Auslöser können ganz unterschiedlich sein:

  • eine Tonlage oder Stimme
  • ein Geruch oder Geräusch
  • eine bestimmte Situation oder Person
  • ein Blick, ein Gesichtsausdruck

Damals, oft in der Kindheit, warst du vielleicht hilflos oder überfordert und konntest weder fliehen noch dich wehren. Dein Körper hat das in vielen kleinen Fragmenten gespeichert. Taucht heute ein ähnlicher Reiz auf, reagiert dein Körper, als würdest du das Alte gerade wieder erleben.

Warum die Reaktion so stark ist, obwohl nichts Schlimmes passiert

Dein Verstand weiß, dass die Kollegin nichts Böses wollte. Aber dein Körper erinnert sich. In diesem Moment schaltet dein Nervensystem in einen alten Überlebensmodus: Kampf, Flucht oder Erstarrung. Es unterscheidet nicht zwischen damals und jetzt, es will dich einfach schützen.

Darum fühlst du dich plötzlich wie ferngesteuert, angespannt oder zittrig, emotional überflutet, und danach oft leer oder erschöpft.

Nach dem Therapeuten Harvey Jackins zeigt sich alter, unverarbeiteter Kummer oft daran, dass jemand auf die Gegenwart reagiert, als wäre sie die Vergangenheit.

Das ist keine Überempfindlichkeit. Das ist eine erlernte Stressreaktion, dein Körper versucht, dich vor etwas zu schützen, das einmal zu viel war.

Tagesschau oder Heimatfilm?

Bist du innerlich in der Tagesschau, lebst du im Hier und Jetzt. Du nimmst wahr, was gerade passiert, und reagierst passend dazu.

Fühlst du dich plötzlich wie damals, klein, machtlos oder wütend, bist du im Heimatfilm. Das Alte schiebt sich in die Gegenwart.

Zwei Fragen helfen dir, das zu erkennen:

  • Passt mein Gefühl zur aktuellen Situation?
  • Passt die Stärke des Gefühls zu dem, was gerade wirklich passiert?

Steckt bei dir mehr dahinter, als du denkst?

Mit meinem kostenlosen Nervensystem-Check findest du heraus, ob alte Erfahrungen oder unverarbeiteter Stress hinter deinen starken Reaktionen stecken könnten.

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Vier Wege, dich im Moment wieder zu beruhigen

Starke Reize nutzen

Pfefferminzöl, etwas Scharfes oder Saures, kaltes Wasser. Solche Reize holen dich körperlich zurück ins Hier und Jetzt. Leg dir deinen Notanker vorher bereit.

Im Hier und Jetzt ankommen

Die 5-4-3-2-1-Methode: Benenne 5 Dinge, die du siehst, 5, die du hörst, 5, die du spürst. Dann mit 4, 3, 2, 1 wiederholen.

Dein Nervensystem regelmäßig regulieren

Atemübungen, Bewegung oder bewusste Pausen helfen dir, in Trigger-Momenten stabiler zu bleiben.

Achtsamkeit im Alltag

Die Sonne auf der Haut spüren, bewusst den Kaffee trinken. Kleine Momente verankern dich in der Gegenwart.

Du musst damit nicht allein bleiben

Zu erkennen, wann du getriggert bist, verändert schon viel. Manchmal braucht es dafür aber Unterstützung, weil die alten Geschichten zu schmerzhaft sind, um sie allein anzuschauen. Das ist völlig in Ordnung.

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